Dominics Brief

Ihr Lieben,

ich möchte euch erzählen wie sehr ich es genossen habe euch zu treffen und im August mit euch zu lernen. Diese Erfahrungen sind immer noch lebendig in mir.

Die Veranstaltungen, die Hinrich, Fabienne, Annett, Sabine und Harry so liebevoll für uns in Bremen, Berlin und Amsterdam organisiert haben, öffneten mir wirklich die Augen für das Potential dieser Arbeit steckt Wir können Kulturen überqueren und Herzen in neuen Gemeinschaften berühren.

Eure Wärme, eure Bereitschaft zu experimentieren und eure spielerische Ernsthaftigkeit haben mich tief berührt. Sie hallen noch immer nach und nähren kontinuierlich meine immer weiter führende Lern-Reise mit Restorative Circles.

Mir ist auch wichtig, euch mitzuteilen wie mein Leben seit August verlaufen ist. Viele der Dinge, die ich getan habe, wurden nur durch eure großzügige finanzielle Unterstützung möglich.

Ich will mit euch feiern, was wir gemeinsam möglich gemacht haben!

Im Oktober war es mir möglich, in Maranhão ein neues Projekt zu starten. Dies liegt im Nordosten Brasiliens, in Gebieten großer ländlicher Armut. Ich verbrachte dort eine Woche und führte ein Training für neue Begleiter durch. Wie einer von ihnen zu mir sagte: „Wo ich wohne, kommen Polizei und Priester nicht hin. Deshalb wird dies sehr nützlich sein“. Ich war sehr berührt zu sehen, wie diese Arbeit aufgenommen wurde. Wir bildeten viele Menschen aus: Polizisten, Teenager, Lehrkräfte, Richter, Gerichtsbeamte, Gefängnisbeamte, Organisatoren, religiöse Führer, Sozialarbeiter…

Ich besuchte auch den Gefängniskomplex Bangu in Rio, eine der brutalsten Umgebungen. Die Gefangenen hatten großes Interesse zu verstehen, was Restorative Circles möglich machen. „Mit 55 Leuten in jeder Zelle“, erklärte mir einer, „ist ein Konflikt stets nur Minuten entfernt“. Ich verbrachte eine intensive Stunde mit einer großen Gruppe Gefangener, in der ich mit ihnen debattierte, was Restorative Justice ist und was sie leisten kann. Zum Schluss bat eine Gruppe Gefangener um ein Training im Gefängnis. Sie wollen dort ein Restorative  System gründen, um mit ihren – manchmal tödlichen Konflikten- umgehen zu können. Die kleine Gefängnisschule ist bereit, uns einen Raum für die Facilitator Practice Module zur Verfügung zu stellen. Ich hoffe, nächstes Jahr beginnen zu können.

Im November besuchte ich Lima, Peru, wo ich am ersten Weltkongress für Restorative Justice  für Jugendliche teilnahm. Die Fragen zur Banden-Gewalt war ein Schlüsselthema. Ich war in der Lage, Ex-Banden-Mitglieder zu treffen, ihnen zuzuhören und Verbindungen zu schmieden. Sie möchten mit Projekten zusammenarbeiten, die Restorative Circles als Alternative für Banden sehen um Differenzen friedlich zu lösen. Sie haben großes Interesse  an Facilitator Practice Modulen im nächsten Jahr um so zu lernen dies Wirklichkeit werden zu lassen.

Eure Beiträge halfen nicht nur, diese Besuche zu ermöglichen.  Durch eure Unterstützung konnten wir auf der Reise nach Maranhão unsere Arbeit in Brasilien zum ersten Mal zu filmen. Damit haben wir ein Dokument, welches zukünftig das Training zu vielen, vielen andern bringen  wird.

Vielleicht am wichtigsten ist, dass ich mir Ende Dezember und Anfang Januar eine Auszeit nehmen möchte von meinen Arbeitsreisen um zu schreiben. Noch haben wir die dafür nötigen Spenden nicht ganz beisammen, aber ich bin sicher, dass dieser wichtige Schritt helfen würde die Arbeit zu verbreiten. Ich wäre so glücklich, wenn ich allen, die darauf warten, Materialien zur Verfügung stellen könnte!

Im November war ich in den USA. Mit Annett und Sabine, die zum FP in Kalifornien waren beschlossen wir, die ersten Facilitator Practice (FP) Module in Europa zu starten. Ich bin so dankbar, dass die Beiden dies möglich machen und ich wieder in Berlin sein kann! Wir werden ein Einführungswochenende anbieten, das wir Neu-Einsteigern empfehlen und auch allen die die Absicht haben bei FP teilzunehmen. Mit all denjenigen, die Restorative Circles begleiten möchten, treffen wir uns danach beim ersten Modul der FP (die ersten 4 von 12 Tagen).  Diese sind offen für alle, die ernsthaft die Absicht haben zu lernen und mitfühlende Gerechtigkeit mit uns und andern zu teilen. Die FP hat möchte die Entwicklung kommunaler Netzwerke fördern, die einander unterstützen.

Das Begleiten von Restorative Circles lernen wir nur durch Übung und Anwendung. Im FP schaffen wir den Raum, Erfahrungen auszutauschen, auf Fragen einzugehen und tief in die Bedeutung dieser Arbeit einzutauchen. Wir treffen uns hier mit anderen Menschen, die sich engagieren die Prinzipien  der RC Arbeit zu erforschen und zu ergründen.  Es ist unsere Absicht Konflikte wirklich auszudrücken, da hier Schmerz und Gewalt zu Trennung und Leid geführt haben.

Während unserer gemeinsamen Zeit werden den ganzen Bogen der Restorative Circles Arbeit betrachten. Wir werden uns dazu von den Erfahrungen in Brasilien und anderswo leiten lassen, beginnend mit der Arbeit an uns selbst bis zum Ende des Post Circles.

Ich hoffe sehr, dass wir uns in Berlin treffen!

Eine warme Umarmung aus Rio,

Dominic Barter